Matthias Sammer zerschießt die DFB-Elf nach WM-Desaster 2026
Die deutsche Nationalmannschaft hat nach dem WM-Aus 2026 einen weiteren prominenten Kritiker: Ex-Europameister Matthias Sammer (58) wirft der DFB-Elf vor, sie definiere den Begriff Hilflosigkeit neu. Im Interview mit Die Zeit attackierte der ehemalige Sportdirektor des BVB die Mannschaft sportlich und mental. Letztes Ergebnis: Deutschland 1:1 Paraguay (29.06.2026).
Sammer, der 1996 mit der Nationalmannschaft Europameister wurde, zeigte sich entsetzt über das Abschneiden bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. „Ihre Spielweise ist mir lieber als das, was ich im Moment bei der deutschen Mannschaft sehe“, sagte er. „Bei der kann ich gar nichts mehr erkennen, weder sportlich noch mental.“ Der ehemalige DFB-Sportdirektor bemängelte fehlenden Siegeswillen und eine mangelnde Professionalität. „Sicher, an der Fitness lässt sich arbeiten. Technik, Taktik, eine neue Spielidee – das lässt sich entwickeln. Viel schwerer aber wiegt der Eindruck, dass unserer Mannschaft der unbedingte Siegeswille fehlt.“
Wofür genau kritisiert Sammer die Mannschaft?
Sammer übte massive Kritik an der mentalen Verfassung der Mannschaft. „Leistung lässt sich organisieren, das wäre das Mindeste gewesen“, betonte er. Stattdessen habe es bei dem Turnier vor allem um Wohlbefinden und Unehrlichkeit gegangen. Konflikte seien nicht angesprochen worden. Der Dresdner, der selbst 1996 den EM-Titel holte, verwies auf die fehlende Leistungsdiagnostik: „Die Spieler hätten sich keiner Leistungsdiagnostik unterziehen müssen, um zu prüfen, ob sie sich in Topform befinden.“ Seine Worte treffen die Mannschaft schwer. Nach dem frühen WM-Aus in der K.-o.-Phase gegen Paraguay hatte die DFB-Elf nur im ersten Gruppenspiel gegen Außenseiter Curaçao überzeugt. Aktuelle Form (letzte 5 Spiele): 3S-1U-1N (SUSWW, zuletzt zuerst).
Sammer bietet dem DFB seine Hilfe an
Doch Sammer malte nicht nur schwarz. „Wenn wir heute die richtigen Leitlinien und Inhalte definieren, sind wir in drei bis fünf Jahren zurück an der Weltspitze“, sagte er. Der ehemalige BVB-Berater signalisierte dem DFB bereits seine Bereitschaft, inhaltlich zu helfen. „Ich habe den beiden wichtigsten Vertretern des DFB signalisiert, dass ich bereit bin, unserem Fußball inhaltlich zu helfen“, erklärte er. „Aber es geht nicht um eine Funktion oder einen Posten für Matthias Sammer, sondern um Inhalte.“ Sammer verwies auf seine Erfahrung als Sportdirektor, die 2014 mit dem WM-Titel gekrönt wurde. „Da kenne ich mich aus, weil ich die schon einmal sechseinhalb Jahre lang vermitteln durfte. Am Ende stand der WM-Titel 2014.“
Was steht als Nächstes für die Nationalmannschaft an?
Trotz der harten Kritik bleibt Sammer optimistisch für die Zukunft. Er betonte, dass mit den richtigen Leitlinien ein Wiederaufstieg möglich sei. Die nächste Herausforderung steht bereits an: Am 24. September 2026 trifft die Mannschaft in den Niederlanden an. Die Frage ist, ob der DFB auf die Worte eines seiner prägendsten Exponenten hört – oder weiter in der Krise steckt.
